Achelwilm: Den Armen wird in die Tasche gegriffen // Linnemanns Vorschlag ist einseitig und chaotisch

Linnemanns Vorstoß, die Schwelle beim Spitzensteuersatz zu erhöhen, ist einseitig und chaotisch. Er kommt zudem im Doppelpack mit einem Angriff auf alle, die aufstockendes Bürgergeld bzw. Grundsicherung beziehen. Am Ende wird wieder Menschen mit wenig Geld in die Tasche gegriffen – eine Frechheit.

Es wird Zeit, kleinere und mittlere Einkommen zu entlasten, etwa über eine deutliche Erhöhung des Grundfreibetrags, was bei Linnemann nicht im Ansatz vorgesehen ist. Dass er stattdessen gegen die untersten Einkommen und die Zuverdienstmöglichkeiten von Niedriglohn-Beschäftigten schießt, ist leider typisch und verschärft belastende Ungerechtigkeiten im Steuersystem.

Der Spitzensteuersatz sollte ab 85.000 Euro greifen, aber dann auch deutlich höher liegen als bei den derzeitigen 42 Prozent. Unter Helmut Kohl lag er bei 53 Prozent, zu Beginn seiner Amtszeit sogar bei 56 Prozent.

Die Stärksten werden durch Linnemann geschützt, es bleibt auch dabei, dass Einkommen aus Arbeit im Verhältnis hierzulande übermäßig besteuert wird. Der Elefant im Raum, dass Vermögen angemessen besteuert gehören, wird ignoriert. Eine Reaktivierung der Vermögensteuer ist überfällig, würde die Einnahmen der Länderhaushalte angemessen stärken und einen notwendigen Kurswechsel bedeuten.