Aberkennung des Buchhandlungspreis für den „Golden Shop“ ist Angriff auf die Kunstfreiheit

Der Beauftragte des Bundes für Medien und Kultur, Staatsminister Wolfram Weimer, hat drei linke Buchhandlungen von der diesjährigen Preisliste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen. Eine der betroffenen Buchhandlungen ist „The Golden Shop“ im Bremer Viertel. Dieser Eingriff ist einmalig in der Geschichte des Preises. Die Preisliste wird von einer unabhängigen Fachjury erstellt und wurde bisher immer von den jeweiligen Staatsminster*innen bestätigt. Auch „The Golden Shop“ war in der Vergangenheit bereits mehrfach unter den ausgezeichneten Läden.

Miriam Strunge, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Bremischen Bürgerschaft, ist entsetzt über den Vorgang: „Die politisch motivierte Streichung einzelner Buchhandlungen von der Preisliste ist ein klarer Eingriff in die Kunstfreiheit. In der Vergangenheit gab es so etwas nicht. Politische Einflussnahme soll durch unabhängige Juryverfahren bei der Förderung verhindert werden. Der Verweis auf Signale des Verfassungsschutzes als Grund für die Streichung von der Preisliste ist besonders problematisch, da solche Hinweise weder begründet werden müssen noch inhaltlich anfechtbar sind. Wir wehren uns gegen diesen politischen Eingriff und die Stigmatisierung linker Buchhandlungen.“

Das Vorgehen Weimers erinnert Strunge dabei stark an Trump und seine Anhängerschaft: „Auch in den USA werden Bücher mit linken und emanzipatorischen Inhalten in den Blick genommen und aus Büchereien und Buchhandlungen aussortiert. Das Signal geht nun auch an den deutschen Buchhandel: Wer vermeintlich falsche Bücher ins Schaufenster stellt, macht sich verdächtig. Die Entscheidung des Staatsministers vergiftet so das Klima in der deutschen Kulturszene.“

Doris Achelwilm, Bremer Bundestagsabgeordnete der Linken ergänzt, wie wichtig „The Golden Shop“ für die Kulturlandschaft in Bremen ist: „Dieser Buchladen ist eine Viertel-Institution mit einem hervorragenden Literaturangebot. Der eigensinnige Charakter des Golden Shop konnte bislang noch von Bundesregierungen sachlich anerkannt werden. Kleine und unabhängige Verlage werden hier präsentiert, internationale Bücher finden sich im Sortiment sowie ein beeindruckendes Angebot an Zeitschriften, Musik und Graphic Novels. Linke, queere und migrantische Literatur haben hier einen Ort, marginalisierte Stimmen werden gehört. Dass Orte wie diese jetzt regierungsautoritär vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen werden, besorgt mich sehr.“ 

Achelwilm abschließend: „Der Ausschluss dreier linker Buchläden von diesem Jury-Preis ist ein zusätzlicher Baustein im rechtsdrehenden Kulturkampf und keine geschmäcklerische Befindlichkeit. Wenn auf die Rechtsverschiebung mit zunehmenden Angriffen auf Kunstfreiheit, informationelle Selbstbestimmung, Zivilgesellschaft und Grundrechte reagiert wird, dann erinnert das unweigerlich an Trump. Unsere Solidarität gilt dem Golden Shop. Als Linksfraktion im Bundestag werden wir diesen Skandal nicht auf sich beruhen lassen.“