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Fraktion DIE LINKE bringt Antrag zum Schutz queerer Menschen und Infrastrukturen in der Krise ein

Die Auswirkungen der Pandemie und damit verbundener Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionsketten treffen viele Bereiche der Gesundheitsversorgung, der Wirtschaft und des sozialen Miteinanders ins Mark. Gesellschaft und Politik stehen unter Handlungsmaximen der Existenzsicherung, die vor einem Jahr nicht abschätzbar waren. Queere Menschen und Infrastrukturen sind betroffen wie andere auch. Gleichzeitig sind ihre Risiken und Bedarfe als eigener Phänomenbereich virulent, weil LSBTIQ*-Realitäten vielfach Diskriminierungen unterliegen oder als vermeintliche „Minderheitenthemen“ schnell in den Hintergrund der Debatten und Prioritätensetzungen rücken. Die Fraktion DIE LINKE im Bundestag hat vor diesem Hintergrund einen Antrag eingereicht, um ein Schlaglicht auf queerpolitische Bedarfe in der Krise zu werfen.

Doris Achelwilm, queerpolitische Sprecherin der Linksfraktion, erklärt dazu: „Queere Clubs, Kneipen und Kulturräume, die seit dem Frühjahr geschlossen sind; eingeschränkte Beratungsstellen; zielgruppenspezifische Medien, denen mangels Veranstaltungen die Anzeigen wegbrechen: Dies sind nur einige Beispiele einer vielschichtigen Infrastruktur, die über Jahrzehnte – oft gegen Widerstände – aufgebaut wurde und nun verschärft unter Druck steht. Queere Infrastrukturen umfassen nicht nur Jobs und wirtschaftliche Existenzen, sondern auch Schutz- und Resonanzräume, die fehlen. Soziale Unsicherheiten sind bei vielen queeren Menschen besonders ausgeprägt, da sie im Berufsalltag häufig noch strukturell benachteiligt sind. Queere Jugendliche, die durch ihre Familie kein unterstützendes Umfeld erfahren, erleben Gebote des Zuhausebleibens als besondere Last. Ältere alleinlebende Menschen berichten von Einsamkeit und Abbruch queerer sozialer Kontakte. Regenbogenfamilien machen erneut die Erfahrung, dass Familien heteronormativ und ‚unter einem Dach‘ gedacht werden und ihre Form der Verantwortungsgemeinschaft erklärungs- und improvisationsbedürftiger ist. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Klima nicht entspannter geworden ist und rechte Übergriffe gegen LSBTIQ* weiter an der Tagesordnung sind. Der Gewalt- und Diskriminierungsschutz darf gerade in diesen Zeiten nicht ins Hintertreffen geraten, genauso, wie queere Gesundheitsbedarfe für z.B. Menschen in Transition nicht geringzuschätzen sind. Es wird Zeit, diese Situationen politisch genauer zur Kenntnis zu nehmen und emanzipatorische Errungenschaften, die weiter Solidarität und Rückhalt erfordern, zu stützen. Queerpolitik ist keine ‚Extraleistung‘, sondern Querschnittsaufgabe. Die erforderlichen Maßnahmen sind keine Exklusiv-Forderungen, sondern kommen Gesellschaft in Gänze zugute. Es wird Zeit, dass sich die Bundesregierung mit queeren Interessenvertretungen zusammensetzt, um ressortübergreifend über notwendige Maßnahmen zu beraten.“

 

Der Antrag der Linksfraktion „Queere Menschen und ihre Infrastrukturen während der COVID-19-Pandemie besser schützen und unterstützen“ ist hier herunterzuladen.

Die heute von LSBTIQ*-Aktivist*innen gestartete Online-Petition „Winter-Lockdown: Wir brauchen einen queeren Rettungsschirm – jetzt!“ ist hier zu finden.

Ein PDF der Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.


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