Pressemitteilung // Oxfams Ungleichheits-Bericht zeigt Belastung der Demokratie durch Überreichtum – Doris Achelwilm: „Wie groß soll die Ungleichheit noch werden?“
Zum heute veröffentlichten Ungleichheits-Bericht 2026 der Entwicklungsorganisation Oxfam erklärt
Doris Achelwilm, steuerpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag:
„2025 stieg die Zahl der Milliardäre über die 3000er-Marke. Während global fast vier Milliarden Menschen in Armut leben und mit weniger als 8,30 Dollar am Tag auskommen müssen, mehren Multimillionär*innen und Milliardäre ihren Überreichtum mit System. Ihr extremes Wachstum ist nicht nur in sozialer und klimapolitischer Hinsicht ein Problem, sondern gefährdet Demokratie: durch Privatisierung und Ausbeutung allgemeiner Ressourcen, durch heftige Preis-, Mieten- und Profitsteigerungen sowie wachsende Zugriffe auf Infrastrukturen, Zukunftsmärkte und politische Ämter. In der Bevölkerung verstärkt sich mit Recht der Eindruck von getrennten Welten, ungerechten Verteilungslogiken und Ohnmacht.
In Deutschland zeigt sich die Dynamik weniger schrill als in den USA, sie ist trotzdem besonders signifikant. Nach den USA, China und Indien herrscht hierzulande die höchste Milliardärs-Dichte, das Vermögen deutscher Milliardäre stieg im Schnitt deutlich höher als von US-Milliardären. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Milliardäre um 42 erhöht, ihr Vermögen wuchs um 30 Prozent: 172 Milliardäre horten mittlerweile 840 Milliarden Dollar – begünstigt u.a. durch Aussetzung der Vermögensteuer und weitreichende Ausnahmeregelungen bei der Erbschaftssteuer. Die Median-Gehälter von CEOs in Deutschland sind 30mal so stark angestiegen wie die Reallöhne der Beschäftigten. Ein Fünftel der Menschen in Deutschland ist arm. Das zeigt deutlich: Die letzten Bundesregierungen haben Ungleichheit gefördert statt bekämpft. Die Vermögensteuer ruht, Erbschaftssteuerreformen fielen zugunsten von Super-Schlupflöchern für Reiche aus. Auch Steuergeschenke in dieser Legislaturperiode wie die Senkung der Körperschaftssteuer entlasten nach oben, während die Armutsquote steigt.
Der steuerpolitische Kurs muss sich ändern. Die Einbildung von Merz, mit Bürgergeld-Kürzungen davon ablenken zu können, macht die Situation nur schlimmer. Sanktionen gegen die Einkommensärmsten sanieren keinen Haushalt. Aus den Wachstumsquoten bei den Reichsten wird kein allgemeines Wirtschaftswachstum. Während Konzerne und Milliardäre Steuern sparen, fehlt das Geld für Schulen, Krankenhäuser und bezahlbaren Wohnraum. Eine höhere Reichtumsbesteuerung, vernünftige Existenzsicherung und Entlastungen mittlerer und kleiner Einkommen sind unumgänglich. Wie groß soll die Ungleichheit noch werden?“
Der Bericht von Oxfam zur sozialen Ungleichheit 2026 ist hier zu finden.
