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International Family Equality Day: Allen einen guten und gleichberechtigten (Regenbogen-)Familientag!

Heute ist International Family Equality Day (#IFED19) – in D'land auch Regenbogenfamilientag genannt. Regenbogenfamilien sind Familien mit mindestens einem Elternteil, der sich als lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich versteht. (Offene) Regenbogenfamilien sind keine Mehrheitserscheinung, aber sie nehmen zahlenmäßig zu, genauso wie Patchworkfamilien und neue (Wahl-)Familienmodelle allgemein. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Regenbogenfamilien ist kein Selbstläufer, sondern steht von rechts unter Druck. Auch aus der konservativen Mitte wird noch gegen diverse Familienmodelle ausgeteilt: So vertritt Bildungsministerin Anja Karliczek, dass die sog. „Ehe für alle“ zu schnell umgesetzt wurde und es vorerst weiter erforscht gehöre, ob Kinder homosexueller Eltern auch wirklich genauso gut aufwachsen wie die anderen usw. usf. Immerhin gab es zu dieser wenig hilfreichen und uninformierten Aussage reichlich Gegenwind – aber Rückfragen zeigten auch, dass Frau Karliczek ihr Unbehagen komplett ernst meint (und viele Gleichgesinnte hinter sich weiß). Es bleibt also gesellschaftlich und politisch noch einiges zu diskutieren und zu tun. 

Regenbogenfamilien sind gegenüber klassisch zweigeschlechtlichen Familien vielfach benachteiligt. Die „Ehe für alle“ hat noch einige Umsetzungslücken, damit ihre Privilegien wenigstens – wenn schon, denn schon - für alle gelten. Es ist höchste Eisenbahn, dass die für lesbische Co-Mütter derzeit noch vorgeschriebene Stiefkindadoption zur Mutterschaftsanerkennung absehbar nicht mehr durchlaufen werden muss. Und dass umgekehrt für eine gewünschte Stiefkindadoption – ab 2020, wie das BVerfG mit einem neuen Urteil vorschreibt – kein Trauschein mehr notwendig ist. Hier stehen Besserungen in Aussicht, die nicht ausreichen, aber nach vorne weisen. 

Es wird Zeit, das Familien- und Abstammungsrecht nicht mehr von Trauschein aus zu denken, sondern im Sinne der Kinder, die in Patchwork-Konstellationen prinzipiell genauso glücklich aufwachsen wie nach bürgerlichen Vorstellungen von Vater-Mutter-Kind/ern. Die Politik muss dafür sorgen, dass kein Kind wegen seines Familienhintergrunds benachteiligt wird. In sozialer Hinsicht. Und in Hinblick auf die Gleichstellung hetero- oder homosexueller Familienmitglieder egal welchen Geschlechts. 

In diesem Sinne braucht es viele Initiativen, nicht zuletzt die, das 60 Jahre alte Ehegattensplitting endlich abzuschaffen und durch eine gute Kindergrundsicherung zu ersetzen. Das Ehegattensplitting privilegiert das männlich geprägte Besserverdiener-Modell, entzieht vielen Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit, Rentenpunkte und Selbstbestimmung; es diskriminiert Alleinerziehende; und es verteilt Gelder vornehmlich deshalb in den Westen, weil in den östlichen Bundesländern die Verdienstschere bei Ehepartnern aus diversen Gründen nicht so weit auseinandergeht. Eine irre Logik. Das in den westdeutschen Bundesländern besonders ausgeprägte Gefälle zwischen den Einkommen von Männern und Frauen darf nicht noch per Ehegattensplitting honoriert werden. 

Das Motto des diesjährigen Family Equality Day lautet „Families: United we stand!“. In diesem Sinne: Einen guten und gleichberechtigten (Regenbogen-)Familientag!


Für Bremen und Bremerhaven in Berlin

Sprecherin der Linksfraktion für Gleichstellungs-, Queer- und Medienpolitik

Medienecho


taz: Sexuelle Identität soll ins Grundgesetz

„Der Verfassungsrang von sexueller Identität schafft einen anderen Schutz und eine bessere Sichtbarkeit“, so Doris Achelwilm (Linke). Weiterlesen


Tagesspiegel: Vorstoß der Opposition - Sexuelle Identität soll im Grundgesetz geschützt werden

Doris Achelwilm (Linke) äußerte die Erwartung, dass eine Aufnahme in das Grundgesetz der Gruppe “einen anderen Schutz und eine andere Aufmerksamkeit„ verschaffen werde. Weiterlesen


neues deutschland: Sexuelle Identität - Geburtstagsgeschenk ans Grundgesetz

Auf Nachfrage des »nd«, was die LINKE an dem Entwurf anders formuliert hätte, wenn sie früher beteiligt worden wäre, sagte die Sprecherin für Queerpolitik, Doris Achelwilm: »Wir hätten wohl anders auf... Weiterlesen

Termine


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Heute ist International Family Equality Day (#IFED19) – in D'land auch Regenbogenfamilientag genannt. Regenbogenfamilien sind Familien mit mindestens einem Elternteil, der sich als lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich versteht. (Offene) Regenbogenfamilien sind keine Mehrheitserscheinung, aber sie nehmen zahlenmäßig zu, genauso wie Patchworkfamilien und neue (Wahl-)Familienmodelle allgemein.

Heute ist International Family Equality Day (#IFED19) – in D'land auch Regenbogenfamilientag genannt. Regenbogenfamilien sind Familien mit mindestens einem Elternteil, der sich als lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich versteht. (Offene) Regenbogenfamilien sind keine Mehrheitserscheinung, aber sie nehmen zahlenmäßig zu, genauso wie Patchworkfamilien und neue (Wahl-)Familienmodelle allgemein. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Regenbogenfamilien ist kein Selbstläufer, sondern steht von rechts unter Druck. Auch aus der konservativen Mitte wird noch gegen diverse Familienmodelle ausgeteilt: So vertritt Bildungsministerin Anja Karliczek, dass die sog. „Ehe für alle“ zu schnell umgesetzt wurde und es vorerst weiter erforscht gehöre, ob Kinder homosexueller Eltern auch wirklich genauso gut aufwachsen wie die anderen usw. usf. Immerhin gab es zu dieser wenig hilfreichen und uninformierten Aussage reichlich Gegenwind – aber Rückfragen zeigten auch, dass Frau Karliczek ihr Unbehagen komplett ernst meint (und viele Gleichgesinnte hinter sich weiß). Es bleibt also gesellschaftlich und politisch noch einiges zu diskutieren und zu tun. 

Regenbogenfamilien sind gegenüber klassisch zweigeschlechtlichen Familien vielfach benachteiligt. Die „Ehe für alle“ hat noch einige Umsetzungslücken, damit ihre Privilegien wenigstens – wenn schon, denn schon - für alle gelten. Es ist höchste Eisenbahn, dass die für lesbische Co-Mütter derzeit noch vorgeschriebene Stiefkindadoption zur Mutterschaftsanerkennung absehbar nicht mehr durchlaufen werden muss. Und dass umgekehrt für eine gewünschte Stiefkindadoption – ab 2020, wie das BVerfG mit einem neuen Urteil vorschreibt – kein Trauschein mehr notwendig ist. Hier stehen Besserungen in Aussicht, die nicht ausreichen, aber nach vorne weisen. 

Es wird Zeit, das Familien- und Abstammungsrecht nicht mehr von Trauschein aus zu denken, sondern im Sinne der Kinder, die in Patchwork-Konstellationen prinzipiell genauso glücklich aufwachsen wie nach bürgerlichen Vorstellungen von Vater-Mutter-Kind/ern. Die Politik muss dafür sorgen, dass kein Kind wegen seines Familienhintergrunds benachteiligt wird. In sozialer Hinsicht. Und in Hinblick auf die Gleichstellung hetero- oder homosexueller Familienmitglieder egal welchen Geschlechts. 

In diesem Sinne braucht es viele Initiativen, nicht zuletzt die, das 60 Jahre alte Ehegattensplitting endlich abzuschaffen und durch eine gute Kindergrundsicherung zu ersetzen. Das Ehegattensplitting privilegiert das männlich geprägte Besserverdiener-Modell, entzieht vielen Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit, Rentenpunkte und Selbstbestimmung; es diskriminiert Alleinerziehende; und es verteilt Gelder vornehmlich deshalb in den Westen, weil in den östlichen Bundesländern die Verdienstschere bei Ehepartnern aus diversen Gründen nicht so weit auseinandergeht. Eine irre Logik. Das in den westdeutschen Bundesländern besonders ausgeprägte Gefälle zwischen den Einkommen von Männern und Frauen darf nicht noch per Ehegattensplitting honoriert werden. 

Das Motto des diesjährigen Family Equality Day lautet „Families: United we stand!“. In diesem Sinne: Einen guten und gleichberechtigten (Regenbogen-)Familientag!