Interview mit dem Landesverband der Gartenfreunde Bremen // Es darf nicht sein, dass Kleingarten-Betätigung nicht mehr bezahlbar ist!
Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde!
Kleingärten sind gemeinsam getragene Rückzugsorte, Grundstücke der Ernte und Erholung für alle, unverzichtbar für das Stadtklima und die Artenvielfalt. Und sie sind ein Ort, der für viele Menschen leistbar ist. Ein Garant dafür, dass nicht alles immer teurer wird. Hier können Menschen etwas Abstand gewinnen von den sonstigen Dingen des Alltags, auch wenn „auf Parzelle“ oder ehrenamtlich im Verein ebenfalls immer genug zu tun ist. Die soziale und ökologische Funktion der Kleingärten muss bleiben. Die Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement auch in diesem Bereich wachsen.
Gerade in Bremen hat die Bedeutung der Kleingärten für den Zusammenhalt eine lange Geschichte. Anzahl und Gesamtfläche der Kleingärten sind hier im bundesweiten Städtevergleich mit über 1.000 Hektar überdurchschnittlich hoch. Es ist wichtig, diesen Erfolg zu würdigen und langfristig abzusichern. Das erwarten wir auch vom Kleingarten-Entwicklungsplan, der 2026 endlich Klarheit schaffen soll über die verschiedenen Generalpachtverträge, die Pflege des (städtischen) Begleitgrüns durch den Umweltbetrieb und den Umgang mit Leerständen unter Beibehalt der öffentlichen Funktion als Naherholungsgebiet.
Die Kosten- und Preissteigerungen der letzten Jahre sind in meiner politischen Arbeit und bei Gesprächen mit Bürgern ein großes Thema. Zusätzliche Belastungen sind für viele Menschen nicht mehr tragbar, es braucht Entlastungen gerade im unteren und mittleren Einkommensbereich. In diesem Sinne gilt es auch, die drohenden „Nebenkosten“ für Parzellisten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Der vorgegebene Einbau von digitalen Stromzählern droht Menschen finanziell zu überfordern, wenn die neuen Geräte deutlich über 1.000 Euro – oft ein Vielfaches der jährlichen Pacht – kosten. Hier braucht es möglichst unbürokratische Hilfen durch den Netzbetreiber Wesernetz und entlastende Angebote vom Senat, was die zentrale Beschaffung der Geräte, Beratung und Härtefall-Lösungen angeht. Es darf nicht sein, dass Kleingarten-Betätigung nicht mehr bezahlbar ist, weil auch hier gravierende Mehrkosten zu Buche schlagen.
Politisch wird 2026 wieder einiges bieten. Ich wünsche mir, dass es gelingt, verbliebene Freiräume vor zunehmender Kapitalisierung zu verteidigen und Zusammenhalt auszubauen. Persönlich fände ich es schön, nach dem turbulenten letzten Jahr wieder etwas mehr Zeit auf der Parzelle verbringen zu können. Sonst fehlt einfach etwas.
Mit solidarischen Grüßen
Doris Achelwilm
Mitglied des Bundestages aus Bremen-Walle und Obfrau der Fraktion Die Linke im Finanzausschuss
Das Editorial von Doris in der Ausgabe des Gartenfreunds im Februar 2026 findet Ihr hier.
