12. Februar 2018

Medienpolitik bleibt analog, Geschlechtergerechtigkeit freiwillig, soziale Verantwortung vage

Auch im Wissen um die Zuständigkeit der Länder wäre es angesichts der Angriffe gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Legitimationskrise, in der er steckt, wünschenswert gewesen, eine politische Vorstellung davon aufzuzeigen, wie eine zukunftsgerichtete Transformation aussehen kann. Dazu gehört in erster Linie ein qualitativ hochwertiges, vielfältiges Programmangebot in innovativen Formaten und technisch auf der Höhe der Zeit. Dazu gehört aber auch die Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dazu beizutragen, dass sich die Lage der vielen freien Mitarbeiter*innen endlich spürbar verbessert. Und dazu gehört, eine Vorreiterrolle einzunehmen, endlich mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Medienbranche zu erreichen.

Beide Themen sind auch für die Filmförderung zentral. Hier fehlen klare gesetzliche Vorgaben für eine paritätische Besetzung nicht nur von Gremien und Jurys, sondern auch für die Besetzung von Führungspositionen der öffentlich-rechtlichen Sender und Filmförderer. Es fehlen gesetzliche Vorgaben, die sicherstellen, dass die Hälfte der Filmfördergelder an Projekte gehen muss, in denen Frauen bei Produktion, Regie oder Drehbuch vertreten sind. Es fehlen Ansätze, wie die nach wie vor dominierenden stereotypen Geschlechter- und Rollenbilder zugunsten von mehr Vielfalt in der medialen Darstellung aufgebrochen werden können. Und auch mit Blick auf die Filmförderung fehlt eine Kopplung öffentlicher Förderung an faire Vergütung, Entgeltgleichheit und gute Arbeitsbedingungen. Um ungerechtfertigte Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen endlich abzuschaffen, hätte es den Mut gebraucht, ein echtes Entgeltgleichheitsgesetz zu verabschieden.