6. März 2018

Frauen, Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit

Anke Domscheit-Berg & Doris Achelwilm

Rund 40 Menschen waren am 5. März bei der ersten Veranstaltung im Wahlkreisbüro von Doris Achelwilm anwesend, um den Vortrag "Frauen, Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit: Was erwartet uns, was erwarten wir?" von der Netzaktivistin und netzpolitischen Sprecherin der LINKEN-Bundestagsfraktion Anke Domscheit-Berg zu hören. Die Referentin entwickelte ein sehr lebendiges Bild von den Chancen und Risiken der heraufziehenden Digitalisierung der Gesellschaft. So ging es ihr darum, deutlich zu machen, dass die Digitalisierung die Tür öffnen könnte für eine Demokratisierung der Produktion, weil wichtige Informationen und Druckdateien im Internet offen zugänglich sind. Die Entwicklung des 3D-Drucks schaffe zudem die Möglichkeit, diese Informationen auch ohne großen Maschinenpark in zum Teil lebenswichtige Produkte umzusetzen. Die Macht von Großkonzernen könne so unter Umständen gebrochen werden. Zugleich machte Anke Domscheit-Berg aber auch darauf aufmerksam, dass durch die Entwicklung der Computer-Technologie und der Robotik massenhaft Arbeitsplätze verloren gehen werden. Verschwinden werden in erster Linie klassische Dienstleistungsberufe und Berufe in der Verwaltung. Davon wären vor allem Frauen betroffen. Hinzu kommt, dass durch die Digitalisierung viele dezentrale Arbeitsbereiche entstehen, die Raum bieten für unregulierte Arbeitsverhältnisse ohne klassische Arbeitgeber*in-Arbeitnehmer*in Rechtsverhältnisse und Arbeitszusammenhänge, die gewerkschaftlich nur schwer zu organisieren sind.  

Aus dem Publikum gab es im Anschluss an den Vortrag viele Nachfragen und ein starkes Bedürfnis, das Gehörte zu kommentieren. Zum Ausdruck kam, dass sowohl die Chancen als auch die Gefahren der Digitalisierung ein Nachdenken über die zukünftigen Formen menschlichen Zusammenlebens dringend erforderlich macht. Vorfreude auf Kommendes weckten etwa die Überlegungen von Anke Domscheit-Berg über die Möglichkeiten eines öffentlichen Personennahverkehrs mit autonomfahrenden – oder gar fliegenden – Fahrzeugen, die sich bei ihren Routen an die Bedürfnisse der Nutzer*innen anpassen können. Auf der anderen Seite gab es jedoch vor allem Bedenken, ob die erhoffte Demokratisierung der Produktion sich tatsächlich einstellen wird, oder ob die Konzerne nicht eher die entscheidenden Informationen sammeln und unter Verschluss halten werden.

Anke Domscheit-Berg plädierte in der Diskussion dafür, sich den Veränderungen mit Optimismus zu stellen und für eine menschliche Gestaltung der Digitalisierung zu ringen. In diesem Sinne machte sie sich stark für die Entkoppelung von Arbeit und Geld, um auch ehrenamtliche und unentgeltliche Tätigkeiten angemessen wertschätzen zu können. Zu diesem Zweck fordert sie eine Wertschöpfungssteuer, die Vermögenssteuer, eine deutliche Arbeitszeitverkürzung und das bedingungslose Grundeinkommen.

Die mit dieser Veranstaltung angestoßene Debatte ist angesichts der technischen Entwicklungen sowohl dringend zu führen, als auch inhaltlich sehr spannend, weil sie die Frage berührt, wie wir in Zukunft leben wollen. Es liegt auf der Hand, dass diese Diskussion auch praktische Folgen haben muss. Etwa in der Form, dass nach Wegen zu suchen sein wird, wie die vielen vereinzelten so genannten Click-Worker*innen – also Lohnabhängige am heimischen Computer – solidarisch zu organisieren sind, um ihre Rechte wahrnehmen und verteidigen zu können. Ebenso wird zu klären sein, wie die öffentliche Aneignung des im weltweiten Netz verfügbaren Wissens zu sichern ist, um seine demokratische Nutzung gegen private Profitinteressen durchsetzen zu können. Insofern kann man mit den Worten eines Diskussionsteilnehmers sicherlich sagen, dass die Digitalisierung uns an die Schwelle einer grundlegend veränderten Gesellschaft führt, ist ein Fakt, „[…] aber wie wir diesen Übergang gestalten liegt in unserer Hand.“ Auf diesem Weg muss die Linke überzeugende Antworten geben können. Dafür, dass sie in dieser spannenden Veranstaltung die entsprechenden Fragen gestellt hat, ist Anke Domscheit-Berg herzlich zu danken.