18. März 2018

„Frauen, Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit: Was erwartet uns, was erwarten wir?"– Veranstaltung mit der Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg im Bremer Abgeordnetenbüro

Foto: M. Horn

Foto: C. Höhl

Rund 40 Menschen waren am 5. März ins Bremer Abgeordnetenbüro von Doris Achelwilm gekommen, um mit der Netzaktivistin und Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg über das Thema "Frauen, Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit“ zu sprechen.

Die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion entwickelte in ihrem Vortrag ein sehr lebendiges Bild von den Chancen und Risiken der heraufziehenden Digitalisierung der Gesellschaft. So ging es ihr darum, deutlich zu machen, dass Digitalisierung die Tür öffnen könnte für eine Demokratisierung der Produktion, weil wichtige Informationen und Druckdateien im Internet offen zugänglich sind. Die Entwicklung des 3D-Drucks schaffe zudem die Möglichkeit, diese Informationen auch ohne großen Maschinenpark in zum Teil lebenswichtige Produkte umzusetzen. Die Macht von Großkonzernen könne so unter Umständen gebrochen werden. Zugleich machte Domscheit-Berg aber auch darauf aufmerksam, dass durch die Entwicklung der Computer-Technologie und der Robotik massenhaft Arbeitsplätze verloren gehen werden. Verschwinden werden in erster Linie klassische Dienstleistungsberufe und Berufe in der Verwaltung. Davon wären vor allem Frauen betroffen. Hinzu kommt, dass durch die Digitalisierung viele dezentrale Arbeitsbereiche entstehen, die Raum bieten für unregulierte Arbeitsverhältnisse ohne klassische Arbeitgeber*in-Arbeitnehmer*in Rechtsverhältnisse und Arbeitszusammenhänge, die gewerkschaftlich nur schwer zu organisieren sind.  

Im Anschluss an den Vortrag wurde rege diskutiert. Zum Ausdruck kam, dass sowohl die Chancen als auch die Gefahren der Digitalisierung ein Nachdenken über die zukünftigen Formen menschlichen Zusammenlebens dringend erforderlich macht. Zu den Überlegungen von Anke Domscheit-Berg über die Möglichkeiten eines öffentlichen Personennahverkehrs mit autonom fahrenden – oder gar fliegenden – Fahrzeugen, die sich bei ihren Routen an die Bedürfnisse der Nutzer*innen anpassen können, gab es etwa Verständnisfragen, was die Organisation und Steuerung des Flugraums anbetrifft. Auf der anderen Seite gab es Bedenken, ob die erhoffte Demokratisierung der Produktion sich tatsächlich einstellen wird, oder ob die Konzerne nicht eher die entscheidenden Informationen sammeln und unter Verschluss halten werden.

Anke Domscheit-Berg plädierte in der Diskussion dafür, sich den Veränderungen mit Optimismus zu stellen und für eine menschliche Gestaltung der Digitalisierung zu ringen. In diesem Sinne machte sie sich stark für die Entkoppelung von Arbeit und Geld, um auch ehrenamtliche und unentgeltliche Tätigkeiten angemessen wertschätzen zu können. Zu diesem Zweck fordert sie eine Wertschöpfungssteuer, die Vermögenssteuer, eine deutliche Arbeitszeitverkürzung und das bedingungslose Grundeinkommen.

Die mit dieser Veranstaltung angestoßene Debatte angesichts der technischen Entwicklungen berührt die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Es liegt auf der Hand, dass diese Diskussion auch praktische Folgen haben muss. Etwa in der Form, dass nach Wegen zu suchen sein wird, wie die vielen vereinzelten so genannten Click-Worker*innen – also Lohnabhängige am heimischen Computer – solidarisch zu organisieren sind, um ihre Rechte verhandeln, wahrnehmen und verteidigen zu können. Ebenso wird zu klären sein, wie die öffentliche Aneignung des im weltweiten Netz verfügbaren Wissens zu sichern ist, um seine demokratische Nutzung gegen private Profitinteressen durchsetzen zu können. Insofern kann man mit den Worten eines Diskussionsteilnehmers sicherlich sagen, dass die Digitalisierung uns an die Schwelle einer grundlegend veränderten Gesellschaft führt, „[…] aber wie wir diesen Übergang gestalten, liegt in unserer Hand.“ Auf diesem Weg muss DIE LINKE überzeugende Anstöße und Antworten geben können. Dafür, dass sie in dieser Sache vorangeht, ist Anke Domscheit-Berg herzlich zu danken.