30. Juni 2018

Ein Jahr "Ehe für Alle" - Es bleibt einiges zu tun

Bild: Kira Tschierschke

Vor einem Jahr wurde nach langen Kämpfen in einem glücklichen Zeitfenster die "Ehe für alle" über die Ziellinie getragen. Ein phänomenaler Erfolg. D'land ging hier beileibe nicht voran, sondern beschloss als 14tes Land in Europa die Eheöffnung.

In den zurückliegenden 12 Monaten ist das gesellschaftliche Klima nicht besser geworden, das Zeitfenster für so einen Bundestagsbeschluss dürfte sich inzwischen geschlossen haben. Grenzen werden wieder dichtgezogen, Spaltungen verschärft, Minderheitenrechte systematisch in Frage gestellt und unter Druck gesetzt. Wer Fortschrittliches für alle will, muss sich zusammenschließen und Menschen verbinden, für soziale, ökologische, antirassistische, demokratische und eben geschlechtergerechte, queere, LGBTTIQ* betreffende Ziele.

Auch, was die "Ehe für alle" angeht, bleibt einiges zu tun, denn wirklich für alle ist sie bis heute nicht. Die Diskriminierung lesbischer Eltern ist geblieben. Wenn eine Frau in der gleichgeschlechtlichen Ehe ein Kind bekommt, wird ihre Ehefrau nicht automatisch rechtliche Mutter, sondern weiterhin auf ein langwieriges Adoptionsverfahren zurückgeworfen. Zur Elternschaft transgeschlechtlicher Menschen bestehen ebenfalls gravierende Nachstellbedarfe. Die Abschaffung des Transsexuellengesetzes ist überfällig. Die Umsetzung des BVerfG-Urteils zur Dritten Option ermöglicht ein modernes Geschlechtervielfaltsgesetz, das im Gesetzentwurf von Seehofers Innenministerium mitnichten angelegt ist. Auch hier wird weiter zu kämpfen sein, genauso wie im internationalen Kontext, wo LGBTTIQ* massiven Verfolgungen ausgesetzt sind. Wir wissen, dass sich auch in den Straßen und Dörfern hierzulande queere Identitäten immer noch sicherheitshalber bedeckt halten (müssen). Wir werden um den Schutz sexueller/geschlechtlicher Identitäten im Grundgesetz und die Abschaffung des inzwischen 60 Jahre alten Ehegattensplittings weiter kämpfen. Für die Aufhebung der Eheprivilegien per se und aller (Geschlechter-)Verhältnisse schließlich, in denen der Mensch kein respektiertes, in Würde und gleich behandeltes Wesen ist.